EWIGER FEBRUAR

Gemeinsam mit Jasper Hill haben wir in einem Projekt „Ewiger Februar“ ukrainische Geflüchtete vor ihren Unterkünften fotografiert. 

Teile des Projekts wurden in der Zeitung „Weser Kurier“ veröffentlicht und die Fotografien waren bei der Ausstellung „IDENTITY, COURAGE, LOVE.“ vom 16. Juni bis 25. Juni 2023 in Hannover zu sehen.

Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 ist mehr als ein Jahr vergangen, durch die verheerenden Auswirkungen auf die ukrainische Bevölkerung flüchteten mehr als eine Million Ukrainer*innen nach Deutschland, davon ungefähr 13.000 nach Bremen. Wegen des Ausreiseverbots von Männern mit ukrainischer Staatsbürgerschaft ist der Großteil von ihnen Frauen, sie sind einzeln gekommen oder oft Mütter gemeinsam mit ihren Kindern.

Diese Familien träumten früher davon Europa zu bereisen, Bratwurst zu probieren oder die Bremer Stadtmusikanten zu sehen. Seit fast einem Jahr träumen sie davon, in ihre Heimat zurückzukehren, ins eigene Haus, zu den Freunden und Nachbarn und davon, dass ihre Männer und Väter noch am Leben sind. Vom Herzen her sind viele von ihnen noch in der Ukraine, haben ihren alten Job noch nicht gekündigt, sie zögern, sich eine richtige Wohnung zu suchen und bleiben lieber noch in einem Hotel, alles in der Hoffnung, im Frühling wieder in die Heimat zurück zu können. Die Kinder sollen zur deutschen Schule, aber sie möchten auch ein Jahr in der ukrainischen Schule nicht verlieren.

Sofern möglich wird an jedem Abend mit dem Vater telefoniert, die meiste Zeit übernehmen die Mütter aber die Rolle von Mutter, Vater, Lehrerin und Freunden auf einmal. Gleichzeitig aber bieten die größtenteils traumatisierten Kinder ihren Müttern genauso viel Halt. Und in den oft zufällig zusammengewürfelten Unterkünften werden Fremde innerhalb von wenigen Wochen zu engen Familien mit klar aufgeteilten Rollen und starkem Zusammenhalt.